Freie Menstruation - ein uralter, neuer Weg

Freie Menstruation

Weisst Du was das bedeutet? Freie Menstruation bedeutet, dass ich als Frau seit bald 8 Jahren weder Binden noch Tampons benutze während meiner Mondzeit. Ja. Beides nicht. Auch kein Cup und keine anderen alternativen Produkte wie Periodenunterwäsche. Gar.rein.nichts. Eklig? Nein, überhaupt nicht.

Wenn eine Frau in ihrer Mondzeit ist, erneuert und reinigt sie sich, entgiftet und lädt sich frisch auf. Viele sind sich dessen nicht bewusst und sehen im Blut einfach eine weitere, eklige Ausscheidung. Für gewöhnlich wird jungen Frauen in der Pubertät zuerst beigebracht, wie sie Binden, Tampons und andere Hilfsmittel sicher anwenden können. Wir bekommen nicht vermittelt, wie es die Naturvölker lösen und wieviel unser Körper eigentlich für und mit uns tun kann. Sicherlich gibt es wenig Beschämenderes für ein Mädchen, als in der Schule wegen eines Blutflecks ausgelacht zu werden. Darum macht man sich auch als Eltern oft kaum Gedanken über die Alternativen. Denn eine Umstellung erfordert etwas Feingefühl und Zeit und erfolgt am Besten in den Ferien und die ersten 2 - 3 Monatsblutungen wollen gut begleitet sein. Diese Methode funktioniert aber bei entsprechender Vorbereitung wirklich… und sie funktioniert vermutlich auch bei Dir.

Die Vorteile für mich sind sehr gross:

Weniger Müll, weniger Abhängigkeit von externer Infrastruktur, keine Zusatzkosten, keine Fremdkörper im Körper, deutlich weniger Menskrämpfe, besseres Körpergefühl, viel bessere Körperwahrnehmung UND kein Menstruationsgeruch. Ausserdem sind mein Körper und ich mittlerweile so verbunden, dass ich ihm auch sagen kann “morgen ist ein wichtiger Tag, da bin ich noch nicht bereit für meine Mens, bitte lass mir Zeit” und dann hält sich mein Körper da oft dran, ein bis zwei ganze Tage kann ich mittlerweile so verschieben, einfach, weil wir aufeinander zu hören gelernt haben. Das ist eigentlich das Schönste an der freien Menstruation. Insgesamt hat übrigens die Blutungsmenge seither abgenommen, ich interpretiere das so, dass mein Körper nicht mehr versucht, das Tampon als Fremdkörper mit möglichst viel Blut auszuschwemmen. Es kann aber auch völlig andere Gründe haben.

So funktioniert es:

Hast Du gewusst, dass die monatliche Blutung nicht einfach aus uns Frauen herausfliesst wie ein laufender Wasserhahn, sondern, dass wir das Blut in uns selbst auffangen und eine gewisse Zeit lang zurückhalten können? Unser Körper macht das instinktiv, es funktioniert von ganz alleine. Wenn unser kleines, internes Depot dann voll ist, erst dann, beginnt das Blut aus uns herauszufliessen. Wenn wir es aber, und so funktioniert die freie Menstruation, nicht einfach überfliessen lassen, sondern regelmässig die Toilette besuchen, dann kann der Körper das Blut gezielt abgeben. Ich mache das nun bereits seit 2013, es funktioniert einwandfrei. Ich hatte einmal einen “Unfall”, als ich schlicht viel zu spät eine Toilette aufsuchte…

Während des Zyklus haben wir Frauen völlig unterschiedliche Blutungsstärken, bei mir ist der erste Tag schwach, der zweite und dritte stark, der vierte wieder schwach und am fünften Tag gibt es noch unzuverlässige Nachblutungen. An einem schwächeren Tag gehe ich alle 2 - 3 Stunden auf die Toilette. Ich blute nicht besonders stark. Würde jemand stark bluten, wäre es allenfalls alle 1,5 -2 Stunden.

Auf der Toilette lasse ich zuerst den Urin fliessen, solange hält der Körper das Blut interessanterweise meistens zurück. Gegen Ende des Flusses dann, gibt der Körper das Blut frei, welches dann wie ein Schwall hinausfliesst. Alles auf einmal. Manchmal ist das Blut sehr flüssig, manchmal klumpig, manchmal zieht es Fäden. Das liegt daran, dass ja mit dem Blut die nicht befruchtete Eizelle und ihr Umgebungsgewebe mit ausgeschieden werden. Ich selbst beobachte den Fluss sehr gerne von oben zwischen die Beine hindurch. Mittlerweile erkenne ich an meinem Blut auch, wenn ich zu wenig getrunken habe oder ich sehe, wann die Eizelle ausgestossen wird.

Wenn alles Blut abgeflossen ist, verwende ich ganz normal WC-Papier, wie wenn ich nur gepinkelt hätte und tupfe es ab. Wenn es etwas schleimig ist, braucht es mehr Papier, sonst ist es wirklich nur wie beim Pinkeln. Wenn ich die Möglichkeit dazu habe, spüle ich gerne noch mit Wasser mich ab, aber wenn diese Möglichkeit nicht besteht, ist es auch nicht tragisch, denn es bleibt kein Blut am Körper haften. Nach dem Abbluten ziehe ich mich wieder wie gewöhnlich an. An sehr unsicheren Tagen lege ich etwas WC-Papier in den Slip, das gibt mir etwas mehr Freiraum, falls ich mal nicht sofort aufs Klo kann. Es könnte auch eine Slipeinlage verwendet werden, aber die besitze ich ja nicht mehr. Darum nehme ich WC-Papier.

An starken Tagen gehe ich alle Stunde aufs WC, ich merke dann selbst, ob die Frequenz zu hoch ist und ich mir mehr Zeit lassen kann… mein Körper teilt mit das mittlerweile sehr gut mit, ich fühle ihn viel besser und habe gelernt, seine Zeichen zu lesen.

Nachts löse ich es so: Ich spüle mich oft innerlich vor dem Einschlafen und ich lege etwa vier Blätter WC-Papier zur Sicherheit ein. Es sind bei mir, weil ich nicht stark blute, nur zwei Nächte, in denen, falls überhaupt, etwas käme. Ich möchte damit aber nicht auf Dich schliessen, es kann sein, dass es bei Dir anders ist, versuche es vorsichtig aus.Tricky ist der Morgen, beim Aufwachen heisst es, wirklich sofort aufs WC zu gehen und nicht lang rumzudröseln, ev. Beckenboden noch bissi anspannen bis dort... dann passiert (bei mir) nichts.

Auch wenn ich tagsüber einmal ein paar Stunden sicher Ruhe brauche, weil ich beispielsweise eine längere Zugfahrt oder so habe, dann mache ich oft vorher eine Intimspülung in dem ich mich innerlich im Schossraum mit dem Duschkopf mit Wasser fülle und dieses Wasser wieder entleere. Das mache ich 3 - 4 Mal, solange bis das Wasser klar kommt. Meist habe ich nun für eine recht lange Dauer Ruhe, das verschafft mir in gewissen Situationen etwas zusätzliche Zeit. Wenn Du Fragen hast, es ausprobieren möchtest und Begleitung wünscht, dann darfst Du gerne fragen… ich freue mich für jede Frau, die auf diese Weise wieder in eine tiefere Verbindung mit ihrem Körper geht.

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Kohli Pascale