Trennung, so vielschichtig ist dieser Prozess
Heut mahlt mich der Schmerz wieder einmal gründlich zwischen seinen Mühlsteinen... Trennung ist ein so unglaublich vielschichtiger Prozess, wenn man sich bewusst Zeit nimmt - ob freiwillig oder weil es einfach innerlich wirkt - die einzelnen Facetten hochkommen zu lassen. Wenn man reflektiert über das eigene Handeln aber auch das Nicht-Handeln. Schritt für Schritt Wunden erkennen, anerkennen... sich selbst verzeihen immer und immer wieder. Und Wut hochkommen fühlen aus der Tiefe der ungelebten Sehnsucht. Wut... und auch diese darf sein. Denn ihr Fundament ist die Trauer. Die Einsamkeit. Die erwachte, vormals verträumte, naive Idee von der Liebe...
Ich habe sie alle gelesen, die Bücher über die Liebe, von Lauster über Spezzano bis Precht… und doch nichts verstanden. Scheinbar.
Ich habe tiefe Sehnsucht danach, innerlich, ein Jahr lang mir Zeit zu nehmen um damit zu gehen. Dem Abschied von einer für mich sehr tiefen Liebe, nach 7 Jahren... weil ich glaube, dass diese Zeit danach mit all ihren Erkenntnissen so wertvoll ist, wenn bewusst gelebt. Und wichtig, für das, was kommt. Ich habe mich entschieden, ein Jahr lang zu forschen, was ich selbst im Raum der Liebe bin, was Trennung ist, was Beziehung bedeutet, was diese eine Beziehung bedeutete... meine Rolle darin.. Ich möchte mich so gerne besser kennen lernen, erforschen, wie oft in meinem Leben ich beispielsweise Sex hatte, wenn ich eigentlich Nähe suchte, oder Verbundenheit, oder Anerkennung... und vielleicht sogar einen Vater. Das klingt schräg, ich weiss. Ist es aber nicht. Einen Vater. Auf der Suche nach Verbundenheit mit dem andern Prinzip macht man oft Dinge, die man gar nicht als solche erkennt. Nicht bewusst wahrnimmt. Nicht in Bewusstheit handelt. Heut kann ich das aussprechen, auch wenn es mir immer noch schwer über die Lippen geht. Nicht zuletzt dank mutiger Männer, die offen über ihre Mutterthemen mit mir sprachen..
In den letzten drei Jahren meiner Beziehung war ich sehr allein, fühlte mich abgelehnt und nicht genährt von meinem Partner, der ganz andere Themen hatte als unsere Beziehung oder mich als Partnerin, als Frau. Das war schmerzhaft. Und es war gleichzeitig das grösste Geschenk was dieser Mann mir schenken konnte. Mich zurückwerfen auf mich selbst. Ja. Das war so schmerzhaft manchmal und es hat mich so viel Verzweiflung fühlen lassen. Ich habe unglaubliche Tiefen durchschwommen und mich an Punkten wiedergefunden, die ich längst überwunden glaubte. Mir war nicht bewusst, wieviel meiner Selbstliebe gar keine Selbstliebe war, sondern ein gesättigtes Gefühl, genährt vom Umstand, geliebt zu werden. Wieviel Selbstvertrauen gar kein Selbstvertrauen war, sondern genährte Eitelkeit, vom Umstand, begehrt zu werden. Als all dies wegfiel, von aussen, von meinem Partner, da bin ich in unglaubliche Tiefen getaucht. Ich fühlte mich nutzlos, reizlos, unweiblich, nicht liebenswert, nicht anziehend, nicht begehrenswert. Und hätte mich vorher jemals jemand gefragt, ich hätte steif und fest behauptet, dass ich in den Punkten viel weiter, viel unabhängiger sei. War ich aber nicht. Tja. Ätsch. Pech gehabt liebe Pascale.
Und so durfte ich mich mit absolut unschönen Dingen befassen wie mangelnde Selbstliebe, mangelndes Selbstvertrauen und in den schlimmsten Zeiten auch Kontrolle und Eifersucht. Das sind sehr schwere Dinge um einfach so damit zu sein. Sie anzunehmen. auszuhalten...und... was ich glücklicherweise dann wieder gerne tue... erforschen. Oh... und ich habe geforscht... im Innen, im Aussen... mit der Liebe zu mir und zu andern...
Mir ist bewusst geworden, wie oft in meinem Leben ich meinen Selbstwert darüber definierte, für Männer sexuell anziehend zu sein, meine Selbstliebe in Wirklichkeit ein brüchiges Konstrukt war, getragen von Fremdliebe. Dass ich Abhängigkeiten generierte um Sicherheit zu haben und wie oft ich, insbesondere in jüngeren Jahren auch mit Reizen gespielt oder sogar manipuliert habe. Das tut weh. Oh... so weh. Denn in erster Linie habe ich damit mich selbst verletzt. Denn damit habe ich mir selbst ein Fundament gebaut, das keinen Bestand hat. Beziehungen sind Boden für Heilung und unsere Partner unsere Lehrer, ob das nun angenehm ist oder nicht.. und so wurde zwangsläufig meine Beziehung zum Heilfeld, mein Partner zum Lehrer... man ist einander so nah, dass irgendwann all die wackligen Fundamente, unbewussten Aspekte und wohlgehüteten Geheimnisse anfangen zu drücken... und es vielleicht plötzlich unangenehm wird, eng, schmerzhaft und zugleich ... wenn zugelassen ... zutiefst heilsam. Und so liege ich nun da und forsche... wann in meinem Leben hatte ich Sex, wenn ich eigentlich Nähe gebraucht hätte, wann habe ich unbewusst Abhängigkeit generiert, weil ich Sicherheit suchte und wann habe ich mich selbst übergangen, belogen oder missbraucht, um zu sein was ich nicht bin oder zu verweilen, wo ich nicht hingehörte...
Die Mühlen meines Schmerzes mahlen langsam und ruhig, ihre Ruhe hat gleichzeitig etwas Bedingungsloses und etwas Gnädiges, sie interessieren sich nicht für mich, sie mahlen mich einfach und lassen mich mit dem sein und gehen, was sie aus mir hervorgemahlt haben... und ich...ich sitze da und betrachte all diese Körner von Erkenntnis und staune einmal mehr... Leben... Du bist so unglaublich vollkommen. Weil alles soviel Sinn ergibt und Kreise sich immer und immer wieder schliessen. Ob es mir passt oder nicht...